Oskar und die Dame in Rosa

Autor:

Eric-Emmanuel Schmitt, 1960 in St.- Foy-les Lyons geboren, ließ sich als Pianist ausbilden und studierte Philosophie. Als Romancier, Dramatiker und Autor für Film und Fernsehen lebt er heute in Brüssel. In Frankreich gehört er zu den bedeutendsten Theaterautoren seiner Generation und hat auch international Erfolg. Er erhielt bereits zwei Preise, unter anderem für "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran".

Inhaltsangabe:

Der 10-jährige Oskar ist krebskrank und hat nur mehr zwölf Tage zu leben. Zusammen mit einer sehr alten, pragmatischen Krankenschwester, der "Dame in Rosa", verbringt er die meiste Zeit im Krankenhaus. Sie ermutigt ihn an Gott zu schreiben, obwohl sie selbst nicht an ihn glaubt. Sie erfindet eine neue Welt für Oskar, hält ihn damit bei guter Laune und lässt ihn in seinen letzten Tagen 120 Jahre alt werden und alle Lebensphasen und die damit verbundenen Gefühle, kennen lernen. Seine Eltern kommen mit der Krankheit nur schwer zurecht und vermeiden das Thema vor ihrem Sohn anzusprechen; erst viel zu spät lernen sie sein Schicksal zu akzeptieren. Nach Oskars Tod beginnt auch "Die Dame in Rosa" an Gott zu glauben.

Charakterisierung:

Oskar:
Er geht mit offenen Augen durch die Welt und scheut die Wahrheit nicht. Im Gegensatz zu seinen Eltern, die seine Krankheit nicht akzeptieren, hat er sich mit seinem Los auf dieser Welt abgefunden. Und genau deshalb hasst er sie, wie er erzählt. Dies gibt Einblick in sein Inneres und zeigt, dass er unsicher ist und jemanden braucht, der bei ihm ist und ihn unterstützt und beisteht, denn auch wenn er oft mutig zu sein vorgibt oder es auch oftmals beweist, so benötigt er noch die Geborgenheit und Sicherheit seiner Eltern. Als diese ihn Angst spüren lassen, lehnt er ihre Nähe plötzlich ab und sonnt sich dafür in Oma Rosas Gegenwart, die quasi für kurze Zeit die Mutterrolle übernimmt. Seine Unsicherheit wird auch sichtbar, als er wegen seiner Freunde, welche sich in seinem Blickwinkel befinden, ein Mädchen küsst, das er eigentlich nicht leiden kann, diesen Akt aber vollzieht, um nicht verspottet zu werden und gut dazustehen. Oskar ist ein sehr humorvoller Junge, der seine Krankenschwester immer zum Lachen bringt. Mit Sturheit und Ausdauer schafft er es jedes Mal seinen Willen durchzusetzen, ohne, dass ihm dabei jemand lange böse sein kann. Sein Mitgefühl gegenüber "Oma Rosa", das Durchschauen der Eltern und sein Wissen, was richtig und falsch ist, beweißen, dass er ein äußerst sensibler Mensch ist. Mit seinen 10 Jahren weißt er bereits viel Wissen und Interesse auf, was ihn zu einem kleinen Intelligenzbolzen macht. Er hinterfragt Situationen und sein Leben und zeigt eine faszinierend rasch fortschreitende Entwicklung in den letzten zwölf Tagen seines Lebens. Auch indem er viel Feingefühl vor "Peggy Blue", seiner Freundin zeigt, offenbart sich seine frühe Reife. Seine Hoffnung zu Gott macht ihn stark, doch er gibt selbst zu, dass er Angst davor hat, das Bekannte zu verlieren und Unbekanntes zu erfahren, was darauf hinweißt, dass er sich eher schwer von Altem trennt und neue Situationen mit Skepsis genießt.

Oma Rosa:
Sie hat einen phlegmatischen Charakter, behandelt Oskar ehrlich und natürlich und tritt ihm pragmatisch gegenüber. Deshalb mag der Junge sie wahrscheinlich so sehr, denn er spürt, dass sie ihm mit Aufrichtigkeit begegnet. Sie scheint ein einsames Leben zu führen, da sie auch zu Weihnachten alleine gefeiert hätte, wäre Oskar nicht gekommen. Sie entwickelt womöglich zuviel Zuneigung zu ihrem Pflegefall, aber Oskar scheint mehr als nur das für sie zu sein. Er wohnt in ihrem Herzen und schenkt ihr Liebe, von der sie lange Zeit zehren kann. Sie investiert viel Zeit in die letzten Tage seines Lebens, um noch vor seinem Abschied alles in Ordnung zu bringen. So bringt sie Oskar zur Vernunft, der sich daraufhin bei seinen Eltern entschuldigt und lenkt ihn durch erfundene Geschichten von seinem Leiden ab, lässt ihn nochmals so richtig leben. Sie setzt das Wohlbefinden der kranken Kinder vor die strengen Vorschriften, worin sich ihr Moralempfinden widerspiegelt. Mag sein, dass sie unglücklich mit ihrem Leben ist und sich deshalb so sehr wünscht, dass Oskar noch schöne letzte Tage erlebt. Darin wird bemerkbar, dass sie ein herzensguter Mensch ist, der wohl die Bedürfnisse der Anderen vor ihre eigenen stellt, auch als sie bescheiden sagt, sie wolle ihre Tränen nicht wichtiger nehmen, als die der Eltern, obwohl ihr Oskars Tod Schwermut herbeiführt. Sie erkennt, was Oskar bei ihr bewirkt hat und führt dies unter Anderem auf Gott zurück, an den sie einen anschließenden Dankensbrief schreibt.

Eltern:
Das Erfahren von der unheilbaren Krankheit ihres Sohnes hat sie wie ein Schlag getroffen. Ihr Verhalten deutet darauf hin, dass sie noch keinerlei Schicksalsschläge erlitten haben und auf unerwartete Geschehnisse nicht vorbereitet sind. Sie wollen die Situation nicht wahrhaben, denken in diesem Fall scheinbar egozentrisch, weil sie nicht einmal bemerken, wie Oskar unter ihrem verzerrten Verhalten leidet. Die Eltern wissen mit der Tatsache nicht umzugehen, scheuen den Kontakt mit der Krankheit und somit zu Oskar. In ihrer irrenden Verzweiflung beschenken sie Oskar mit Geschenken, anstelle mit ihrer Anwesenheit. Erst nachdem Oma Rosa mit ihnen spricht und sie über Oskars Empfinden aufklärt, sehen sie ein, dass sie ihre Verhaltensweise gegenüber ihrem Sohn ändern müssen und weichen in seinen letzten Tagen nicht mehr von seiner Seite.

Interpretation:

  • Es gibt Tatsachen, die man nicht ändern - aber das Beste aus ihnen machen kann, um mit ihnen leben zu können.
  • Es spielt keine Rolle, was ein Mensch ist, sondern was er in seiner Seele ist.
  • Ein guter Freund ist von unschätzbarem Wert.


Rezension:

Schmitt schafft es wunderbar durch seine Sensibilität beim Leser den Eindruck zu erwecken, ein Kind würde tatsächlich erzählen, was das Lesen äußerst angenehm macht und rasch fortschreiten lässt. Mit Fingerspitzengefühl tastet er sich in das kindliche Denken vor und berichtet über den Alltag eines Krebskranken Kindes durch die Augen eines 10 -jährigen vollkommen unverfälscht. Sein Werk rührt zu Tränen. Vor allem der Ausgang des Romans kommt überraschend und ist ein wesentlicher Höhepunkt, der den Leser träumend aus der neuen Welt entlässt.
Schmitt schafft es wunderbar durch seine Sensibilität beim Leser den Eindruck zu erwecken, ein Kind würde tatsächlich erzählen, was das Lesen äußerst angenehm macht und rasch fortschreiten lässt. Mit Fingerspitzengefühl tastet er sich in das kindliche Denken vor und berichtet über den Alltag eines Krebskranken Kindes durch die Augen eines 10 -jährigen vollkommen unverfälscht. Sein Werk rührt zu Tränen. Vor allem der Ausgang des Romans kommt überraschend und ist ein wesentlicher Höhepunkt, der den Leser träumend aus der neuen Welt entlässt.
1.01.2006 (RK/EcZ)